(Un-)Sinn Klarnamenpflicht. Facebook versucht aufzuräumen.

Klarnamenpflicht Facebook
Gibt es noch viele Menschen die trotz regelmäßiger Nutzung des Internets keinen Facebook Account haben? Allein in Deutschland gab es von 2010 bis 2014 ungefähr 28 Millionen aktive Nutzer¹.

Das ist eine Zahl, die hätte sich Mark Zuckerberg vor einigen Jahren bestimmt nicht erträumen lassen. Dass es bei einem Netzwerk mit weltweit knapp 1,5 Milliarden aktiven Accounts2 gewisse Regeln geben sollte um das Ganze einigermaßen seriös zu gestalten, ist auch klar. Dass die Kontrolle dieser Regeln sich als äußerst schwierig gestaltet kann man sich ebenso denken. Dass es also gefakte Accounts gibt, nicht hinter jedem Account auch die im Anzeigebild abgebildete Person steckt und auch nicht jeder sein richtiges Geburtsdatum angibt sollte jedem Nutzer bewusst sein. Da sollte es einen auch nicht wundern, dass ziemlich viele Nutzer nicht ihren richtigen oder vollen Namen angeben.

Ich gehöre außerdem dazu.Warum ich meinen Nachnamen vor ca. 2 Jahren ersetzt habe, obwohl ich allein schon mit diesem Blog und auch ein paar anderen Netzwerken und Internetseiten mit vollem Namen und Bild zu finden bin?

Das hatte damals einige Gründe, die ich heute teilweise auch nicht mehr so sehe, aber es ist nun einmal umgeändert und ich sehe für mich auch keinen Grund diese Umstellung wieder rückgängig zu machen. Zudem nutze ich über Facebook zahlreiche andere Apps und Dienste (Wer möchte sich schon bei jedem Mist einzeln anmelden? 😀 ) die mein voller Name einfach nichts angeht. Es würde mir wahrscheinlich nicht schaden, aber es muss doch auch nicht sein?

Wie auch immer, ich habe bis jetzt in ein paar Gruppen gelesen, dass andere Nutzer es tatsächlich stört, wenn Mitglieder ohne Klarnamen in Gruppen posten und Ähnliches. Ernsthaft?
Ich fange mit meiner Argumentation mal vorne an. 😉

Zu Zeiten, in denen Facebook, StudiVZ und Co gerade erst bekannt wurden, war es natürlich sinnvoll seinen Klarnamen anzugeben, man wollte schließlich von alten Schulfreunden, Kollegen und Bekannten, Kommilitonen, zu denen man aus verschiedenen Gründen den Kontakt verloren hatte, gefunden werden und diese auch selber finden. Wer sich allerdings bis jetzt nicht gefunden hat, der wird sich wahrscheinlich auch nicht mehr finden. Oder ist einfach nicht bei Facebook angemeldet. Da die Generationen nach uns mit Facebook aufwachsen, gibt es dieses „Vielleicht finde ich meine Grundschulliebe ja wieder“ nicht mehr, denn du bist sowieso wahrscheinlich spätestens am Ende der 4. Klasse bei Facebook angemeldet und mit allen befreundet. (Klärt mich auf, wenn ich da falsch liege – mein kleiner Bruder ist noch nicht ganz so weit 😉)

Wenn ich also Menschen kennen lerne und mit diesen bei Facebook befreundet sein möchte, frage ich sie entweder danach, wie sie dort heißen oder ich kenne sie durch andere Facebook-Freunde und finde sie auf diese Weise.

Etwas störend empfinde ich es tatsächlich auch, wenn ich über Accounts stolpere, die noch nicht einmal einen Vornamen oder Spitznamen angeben, weil ich es dann in Diskussionen und Gesprächen unter Beiträgen komisch finde diese Mitmenschen mit ihren teilweise sehr skurrilen Namen anzusprechen, aber auch das habe ich bis jetzt überlebt. 😉

Ich denke mir, dass der volle Klarname in diesem Netzwerk für mich vollkommen irrelevant ist. Ich bin dort mit Freunden, Bekannten, Familienmitgliedern und Kollegen befreundet, vereinzelt auch mit Menschen die man nicht persönlich kennt. Den größten Teil dieser Personen habe ich unter Bedingungen kennengelernt, in denen erst einmal sowieso nur der Vorname zählt.

Muss man seinen kompletten Namen ausgetauscht haben um auch Informationen über bestimmte Themen austauschen zu können, oder um Themen zu diskutieren? Ist es mir wichtig, ob Peter, der unter einem Artikel vom WDR auf Facebook seine Meinung wiedergibt, Peter Müller oder Peter Schmitz heißt? Finde ich das, was Peter geschrieben hat weniger glaubwürdig, weil er sich Pe Ter oder Peter P nennt? Macht es wiederum Max Mustermann’s Kommentar seriöser, wenn er sich abwertend über Flüchtlinge äußert? Personen kann man bei Facebook so oder so melden.

Wenn ich in einer Discothek, in der Uni, einem Café oder beim Einkaufen mit jemandem ins Gespräch komme, stelle ich mich immer nur mit meinem Vornamen vor. Warum sollte das in einem sozialen Netzwerk anders sein müssen. Mein Nachname kommt eigentlich nur in offizieller und beruflicher Umgebung zum Einsatz. Und Facebook ist für mich privat. Es ist ein privater Account für Menschen mit denen ich in meiner Freizeit Kontakt halte (mehr oder weniger 😉). Wenn ich ein berufliches Netzwerk gründen möchte und mit Personen auf geschäftlicher Ebene in Kontakt treten möchte, dann mache ich das über die dafür vorgesehenen Netzwerke (Xing, LinkedIn und Co.) – oder es passiert trotzdem auf einer privaten Ebene und auch dann sollte es für die beteiligten Personen kein Problem sein, dass ich meinen Nachnamen dort nicht preisgebe – sie kennen ihn ohnehin.

Ich bin jedenfalls der Meinung, dass man trotz guter Privatsphäreeinstellungen immer darauf achten sollte, was man von sich postet und was bei Facebook zu sehen ist (gerade bei öffentlichen Profilen), allein schon weil man manchmal auch einfach ausblendet mit wem man überhaupt alles befreundet ist, aber die Pflicht zur Klarnamen-Angabe finde ich absolut sinnlos.

Ob man seinen Klarnamen angeben möchte, das sollte jeder für sich selber entscheiden dürfen. Klarstellen möchte ich außerdem auch, dass ich mit diesem Post niemanden davon überzeugen möchte, nur seinen Vornamen oder einen Kunstnamen anzugeben. Gebt von mir aus auch eure 3 mittleren Namen plus Titel und allem was ihr noch so alles habt an. 😉 Es ist lediglich ein Denkanstoß an diejenigen die sich auf den Klarnamen-Pflicht Zug setzen und nicht nachvollziehen können warum man ihn nicht angeben möchte.
In diesem Sinne melde ich mich aus meiner Klausurenpause zurück und wünsche euch einen guten Start in die neue Woche.

1 Quelle: Statista.com

2 Quelle: Statista.com

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