#readdifferent: Michael Nast – Generation Beziehungsunfähig

#readdifferent Lesechallenge: Michael Nast - Generation Beziehungsunfähig auf www.three-flights-up.comGeneration Beziehungsunfähig: Der Inhalt

Michael Nast steht schon jetzt für ein Lebensgefühl. Der gebürtige Berliner berührt und bewegt mit seinen Kolumnen im Internet bereits Millionen von Lesern. Seine Texte werden geteilt und geliked, seine Lesungen sind regelmäßig ausverkauft. In seinem neuen Buch „Generation Beziehungsunfähig“ bringt Nast die Dinge auf den Punkt und beschreibt unvergleichlich charmant die Stimmung seiner Generation: Weshalb wir uns gegenseitig als beziehungsunfähig bezeichnen, wie Tinder unsere Partnersuche verändert und warum wir uns immer wieder selbst in den Mittelpunkt stellen, ohne Rücksicht auf Verluste. „Generation Beziehungsunfähig“ hält uns einen Spiegel vor. Ganz ohne Bewertung ermutigt das Buch uns chronische Selbstoptimierer und Perfektionisten dazu, unseren eigenen Lebensentwurf zu hinterfragen. Ein augenöffnendes wie anregendes Buch, das sich liest wie ein Gespräch mit dem besten Freund.

Nun gehe ich auf die Fragen ein, die Carolin in ihrem ersten Post gestellt hat.

Warum hast du dir diesen Autor ausgesucht?

Mein neu entdeckter Autor heißt Michael Nast und eventuell ist mein Pick etwas gemogelt. Zwar habe ich von ihm noch nie ein Buch gelesen, aber einen Kolumnentext, der Lust auf mehr gemacht hat. Genauso wie dieser besagte Text, heißt auch das Buch um das es heute geht: Generation Beziehungsunfähig. Ich teile die Ansichten aus seinem Text und empfinde seinen Schreibstil und seine „Stimme“ als sehr angenehm. Die Neugierde auf ein Buch, in dem er auf genau das Thema noch näher eingeht, war ziemlich hoch. Außerdem ist es auch mein erstes Buch dieser Art.

Wieso hast du bisher noch nichts von ihm gelesen?

Das kam tatsächlich nur daher, dass ich erst vor kurzem auf ihn aufmerksam wurde. Er hat zwar schon mehrere Bücher geschrieben, allerdings wollte ich als erstes „Generation Beziehungsunfähig“ lesen, da ich das Thema interessant finde. Und dieses kam erst letzten Monat heraus. Perfekt also für die #readdifferent Lesechallenge!

Welche Erwartungen hattest du an den Stil und an die Geschichte?

Aufgrund seiner Kolumne hatte ich an den Stil ziemlich hohe Erwartungen, die auf jeden Fall erfüllt wurden. Diese Erzählperspektive, der direkte Monolog vom Erzähler an den Leser gerichtet, mochte ich bei diesem Buch sehr gerne. Es war wie ein Gespräch mit einem guten Freund, bzw. eher ganz vielen Bekannten. In fast jedem Kapitel steigt Michael Nast durch ein Gespräch mit einem Freund oder Bekannten in ein Thema ein und irgendwie fühlt man sich, als säße man dabei. Irgendwann, ca. nach dem fünften Kapitel, fragte ich mich, wie viele Freunde und Bekannte Michael Nast wohl noch so hat, die ihm so nah an seinem Leben teilhaben lassen. Schlimm fand ich dies jedoch nicht.
Bezüglich der Geschichte an sich, war ich eher gespannt und hatte überhaupt keine Vorstellung. Die Aufteilung in meist unabhängige Kapitel macht definitiv Sinn und das ein oder andere habe ich sogar noch im Netz als Kolumne gefunden. Man kann sich das Buch also gut aufteilen. Nach fast jedem Kapitel habe ich aufgehört zu lesen um eine Zeit lang über das geschriebene nachzudenken und es mit mir und meinem Leben zu vergleichen. Stimme ich ihm zu, oder etwa nicht? Das einzige, was den Lesefluss und das Bild etwas gestört hat, war Berlin. Richtig gelesen. Michael Nast erwähnt viele Plätze, Clubs und Cafés in Berlin. Die Menschen dort und wie speziell dieses Berliner Gefühl gerade für junge Leute dort zu sein scheint. Da kam mir seine Beschreibung von optimistischen Langzeitpraktikanten in Start-Up Unternehmen teilweise der „American Dream“ vor. Für Leute, die Berlin nicht so gut kennen und mit dem Großstadtfeeling nichts anfangen können, werden einige Vergleiche oder Aussagen eher überflüssig oder zu spezifisch sein. Das hätte man verallgemeinern können für das generelle Verständnis. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau und wahrscheinlich auch Geschmackssache. 😉

Konnte das Buch deinen Ansprüchen gerecht werden?

Ja. Die einzelnen Kapitel drehen sich teilweise nur im weitesten Sinne um Beziehungen. Eher sind es die Merkmale der angesprochenen Generation, die unter die Lupe genommen werden. Auch außerhalb von Beziehungen, nennt und erläutert Michael Nast diese und versucht ihnen auf den Grund zu gehen. Uns damit zum Nachdenken anzuregen.

Ich bin ziemlich froh, dass „Generation Beziehungsunfähig“ trotzdem kein Selbsthilfebuch ist. In vielen Rezensionen liest man, dass Michael Nast als Erzähler sehr selbstherrlich herüberkommt und im Prinzip einen Haufen Kritik an besagter Generation ausübt. Das sehe ich anders. Auf der einen Seite ist es eine Art „Wachrütteln“, wie man es eigentlich immer mal wieder aus Artikeln oder Persönlichkeitsratgebern liest, andererseits ein Versuch das „Warum“ zu ermitteln, um dann eventuell eine Lösung zu finden. Von Social Media, dem enormen gesellschaftlichen Druck sich zu differenzieren und selbst zu verwirklichen, über die Konsumgeilheit und Politik, werden sehr viele kritische Punkte angesprochen.

Dabei erfindet er das Rad nicht neu, findet auch keine optimale Lösung, aber er schafft es, dass man sich mit den Themen tiefergehend auseinandersetzt. Dabei muss er noch nicht lang ausschweifen und erzählen. Viele Gedanken, die mir zu den angesprochenen Themen im Kopf herumschwirren, schafft er Sinn bringend in wenigen Sätzen auf den Punkt zu bringen. Er räumt sozusagen auf. Oft war ich erstaunt über seine Aussagen, da ich nicht damit gerechnet hätte, dass ein Mann Anfang 40 so ähnliche Ansichten und Gedanken hat wie ich mit Mitte 20.

Passend ist auch noch einmal sein letztes Kapitel mit einer Schlussfolgerung, welche eigentlich nur noch mehr Fragen aufwirft: die wohl jeder für sich selbst beantworten muss. Sind wir wirklich beziehungsunfähig, oder ist das einfach nur eine Eigenschaft die in das leistungs- und konsumorientierte System passt, ein Irrglaube der durch unsere vergangenen Beziehungen entstanden ist oder die unrealistische Suche nach Perfektion?

Vorsicht aber für Menschen, die sich leicht auf den Schlips getreten fühlen. Michael Nast kritisiert tatsächlich – allerdings nicht nur andere, sondern auch sich selber. Wer aber auch sonst schnell Dinge persönlich nimmt, wird – wie einige Amazon Rezensenten – über Herrn Nast schimpfen wollen. Wie er von seinem so hohen Ross aus auf die nicht perfekten Individuen herabschaut. 😉 Auch Beauty- und Modeblogger sowie Youtuber geraten einmal kurz in sein Fadenkreuz. Ich lehne mich einmal weit aus dem Fenster heraus und sage, dass die Menschen, die sich durch so etwas tatsächlich persönlich angegriffen fühlen, wohl eine Wahrheit erkennen? 😀

Würdest du erneut ein Werk von diesem Autor lesen? Wenn ja, welches?

Definitiv. Nicht jedes Buch, „Das bessere Berlin: Großstadtgeschichten“ ist zum Beispiel eines, welches ich nicht lesen werde, da ich Berlin als Stadt nicht sonderlich toll finde. „Ist das Liebe, oder kann das Weg?“ scheint mir jedoch wieder in die Richtung von „Generation Beziehungsunfähig“ zu gehen – vielleicht sogar einen ticken komischer und somit weniger ernst – und steht deshalb schon auf meiner Bücherwunschliste.


Spricht euch das Buch an, habt ihr es vielleicht selber schon gelesen? Kennt ihr Michael Nast und eine seiner Kolumnen? Was ist eure allgemeine Haltung gegenüber so einer Art von Büchern, die doch in Richtung Ratgeber geht?
Gerne könnt ihr natürlich auch eure Beiträge zu dem ersten Teil der #readdifferent Lesechallenge in den Kommentaren verlinken!

Weitere Beiträge von mir aus dieser Reihe:

#readdifferent Lesechallenge: Themen & Start

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1 Comment

  • Reply Carolin

    Ohhh, der Post ist ja online! Sehr schön! Ich habe schon von dem Buch gehört, konnte mir aber nicht so recht was drunter vorstellen. Die Thematik finde ich jedoch sehr interessant und dein Beitrag konnte mir das Buch definitiv näherbringen. 🙂

    Ich hoffe, du bist auch im April wieder bei #readdifferent dabei. Das Thema ist ja schon online.

    8. April 2016 at 14:52
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