Dinge, die man in 2016 sagen kann

Dinge, die man in 2016 sagen kann auf www.three-flights-up.comDinge, die man in 2016 sagen kann, ohne dass man aus irgendeiner Ecke einen auf die Mütze bekommt oder sich jemand angegriffen fühlt?

Keine.

Selbst ein „Guten morgen!“ kann einem schon verübelt werden. Mal ganz abgesehen von Aussagen wie:

  • „Und dann waren wir Burger essen.“ – Waaas, Fleisch?
  • „Frauen sollten genauso viel verdienen wie Männer.“ – Du penetrante Feministin!
  • „Männerfußball finde ich interessanter.“ – Wie kannst du nur gegen Gleichberechtigung sein?
    „Das Wetter..“ – Hast du nichts anderes zu erzählen?
  • „Also ein Fan von Merkel bin ich eigentlich nicht.“ – Du AfD-Wähler!
  • „Und dann hab ich mir an mein Auto eine Deutschland-Fahne zur EM gehängt.“ – Waaaas? Und dann wohl auch noch bei der Nationalhymne mitgesunden, was? Du Nationalist!)
  • „Ich hab gestern leckere Kekse gebacken.“ – Was, du isst Zucker? Voll ungesund!
  • „Als ich gestern mit dem Auto einkaufen war..“ -Du fährst mit dem Auto? Was für eine Umweltverschmutzung, nimm gefälligst das Fahrrad!
  • „Ich esse kein Fleisch.“ – Du glaubst auch, du könntest die Welt verbessern?
  • „Ich mag seine blauen Augen sehr.“ – Schäme dich, wegen Menschen wie dir fühlen sich Personen mit braunen Augen schlecht!
  • „Also..“ – NEIN!

Oder anders ausgedrückt:

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Die 2016er Ausgabe der Dinge, von denen Personen sich angegriffen und beleidigt fühlen.

Die Kommunikation, gerade online, ähnelt einem Spaziergang über ein aktives Minenfeld. Egal wie sehr man etwas in Wattebäusche einpackt, irgendjemand hat etwas daran auszusetzen oder fühlt sich persönlich angegriffen – und auch keine Scheu das lautstark zu äußern.

Warum sind wir so unentspannt? Ich erinnere mich an eine Zeit, da hat man in solchen Situationen einfach die Klappe gehalten. Ganz im Gegenteil, habe ich sogar das Gefühl, dass sich gar nicht mal so wenige Menschen mit Freude auf andere stürzen, um ihre Aggression und Unzufriedenheit heraus zu lassen und auf passende Gelegenheiten nur so warten. Warum?

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Aus genau dem Grund meide ich Facebook immer mehr. Fünf Minuten Kommentare lesen unter einem interessanten Artikel und man hat schon wieder schlechte Laune. Ich glaube, dass sich die allgemeine Unzufriedenheit der Gesellschaft in den sozialen Medien hochschaukelt. Und irgendwann ist man es so gewohnt, von hinter seinem Display los zu maulen oder die Motzerei anderer zu lesen, dass man es auch in den Alltag mit einbringt. Das scheint vielen Personen einfacher zu sein, als die Energie, die man aufbringt um andere anzumeckern und unkonstruktiv zu kritisieren, lieber in die eigene Produktivität zu stecken.

Um nicht auch so tief in so einen Kreislauf zu geraten, meide ich diese Diskussionen mittlerweile und verschwende auch nicht die Zeit daran, beschwichtigende oder ähnliche Kommentare zu verfassen. Denn ich habe das Gefühl, dass dies einfach nichts bringt. Wer meckern will, der meckert.

Damit ich mich der allgemeinen Unzufriedenheit nicht generell anschließe, versuche ich zumindest jeden Tag positiv abzuschließen. Vor dem Einschlafen denke ich an all die Dinge, die ich im Laufe des Tages geschafft habe und zähle in Gedanken mindestens drei positive Ereignisse und Zustände auf. Wenn es ein generell eher schlechter Tag war, kann man immer noch für die Dinge dankbar sein, die man als so selbstverständlich hinnimmt. Wenn man ganz motiviert ist und schöne Erinnerungen sammeln möchte, kann man sich dafür natürlich auch ein kleines Notizbuch – ähnlich wie ein Tagebuch – anlegen.


Was haltet ihr von der Idee? Nehmt ihr an Facebook Diskussionen oder generell Diskussionen in den sozialen Medien teil? Habt ihr Tipps, wie man Abstand zu dieser Negativität halten kann?

Originalbild: splitshire.com, Daniel Nanescu, bearbeitet von mir

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1 Comment

  • Reply bknicole

    Ich musste bei den Aussagen oben erstmal schmunzeln ,aber du hast leider verdammt recht damit. Man wird heutzutage auch sehr schnell abgestempelt, wenn man einfach mal seine Meinung sagt bzw. dies auch in einem sachlichen Ton. Nervt mich auch immer ,weshalb ich mich an den Diskussionen in Twitter und Facebook ebenfalls nicht beteilige. Manche Sache ndie da gepostet werden, gehen in meinen Augen auch gar nicht und das hat dann auch nichts mehr mit normaler Meinungsäußerung zu tun. Beleidigungen, hämische Kommentare und Halbwahrheiten die verbreitet werden gehören da ja leider mit dazu und da bekomme ich dann eh immer die Krise. Ich denke mir dann meinen Teil, belasse es auf sich beruhen.

    Deine Idee finde ich super. Ich halte das positive ja immer in meinen Monatrsrückblicken auf meinem Blog fest und merke dadurch auch, dass nicht immer alles schlecht ist, sondern es viele schöne, kleine Momente gibt. Das hilft mir sehr.

    Ps: Ich mag Männerfußball auch mehr als Frauenfußball, finde Frauen sollten für die gleiche Arbeit auch genauso viel verdienen wie ein Mann und ja ich hatte während der Em eine Deutschland Flagge am Auto und das obwohl ich Politikwissenschaften studiere, ich sollte mich echt was schämen. Persönlich finde ich aber, dass nichts schlimm daran ist, wenn man sagen kann: Ich bin stolz in Deutschland zu leben? Warum auch nicht, wir haben wirklich ein gutes System in unserem Land durch das es uns gut geht und vieles läuft richtig. Klar gibt es immer Sachen, die könnten besser sein, aber gerade wenn man Politik studiert und einen Einblick in die Systeme anderer Ländern bekommt, merkt man wie gut wir es hier haben ;). Denn Arbeitslosengeld, Krankenversicherungen und Rente kenne viele Länder gar nicht.

    16. Juli 2016 at 14:44
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