Geliebt und Unvergessen

Trauer

„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“
– Bertolt Brecht

Gibt es einen richtigen Zeitpunkt, um an verstorbene Menschen zu denken, die einem sehr nahe standen? Zählen vor allem Geburts- und Sterbetage? Oder der Volkstrauertag? Sollte man an diesen Tagen am Grab stehen, in die Kirche gehen und für diese(n) Mensch(en) beten?

Und trauere ich wirklich weniger, belastet es mich weniger, wenn ich meine eigenen Momente habe, in denen mir dieser Mensch besonders fehlt und ich einen Moment lang gar nicht weiß, wie ich die Zeit ohne die Person überhaupt gemeistert habe? Macht es mich egoistisch? Spielt das eine Rolle?

Ganz ehrlich, ich glaube, dass ich bis jetzt noch an keinem Geburts- oder Sterbetag von meiner geliebten und unvergessenen Person das Grab besucht habe. Es mögen Jahre vergangen sein, in denen ich an diesen Tagen auch keinen großen Gedanken an die Person verloren habe. Nach elf Jahren passiert das glaube ich, wenn man bedenkt, dass bis zu einem gewissen Alter der eigene Geburtstag viel wichtiger ist, als der von Erwachsenen.

Letztens ging ich bei Kodi einkaufen, sah in einem Regal Grabdekoration stehen, unter anderem den Stein auf dem Bild, und musste ganz bitterlich anfangen zu weinen. Mitten im Geschäft. Bis dahin war es ein ganz normaler Tag, die Sonne schien und ich wollte einfach nur nach Kerzen und Dekoration stöbern. Ich hatte keine schlechte Laune, keinen Herzschmerz und auch sonst war alles in Ordnung. Und auf einmal vermisste ich meine Person so sehr, dass es mich ganz aus der Fassung brachte.

Das passiert. Nicht sehr häufig, vor allem nicht in der Öffentlichkeit und in dem Ausmaß. Aber ab und zu, wenn mich etwas besonders stark an die Person erinnert, überkommt es mich. Meistens kann ich Erinnerungen mit einer gewissen Distanz betrachten, immerhin sind elf Jahre vergangen, aber hin und wieder sieht das anders aus.

Ich denke, dass es in Ordnung ist, in den ganz eigenen Momenten an diese Personen zu denken. Ist es nicht auch schön zu merken, dass man Personen im ganz normalen Alltag vermisst und nicht nur an diesen besonderen Daten? Dass sie einem an einem stinknormalen Tag so sehr fehlen? Dass es alltägliche Momente gibt, in denen man merkt, dass man gerade diese Personen unwahrscheinlich gerne jetzt bei sich hätte?

Als nicht sehr gläubige Person hoffe ich, dass wenn es etwas nach dem Tod gibt, meine Person weiß, dass ich sie trotzdem 365 Tage im Jahr liebe und in Schaltjahren 366.

Unvergessen.

Related:

No Comments

Leave a Reply