Chris Brenner & die Sache mit den Vorbands

2015_11_02_Chris_Brenner

Vorbands & der Regelfall

Gelegentliche Konzertbesucher werden das Problem, welches ich meistens bei Vorbands habe, wahrscheinlich kennen. Man steht (sitzen gilt nicht, richtige Pop- & Rockkonzerte besucht man stehend) sich die Beine in den Bauch, je nach Größe und Bekanntheitsgrad des Künstlers auch schon vor Einlass. Danach wartet man gefühlt eine Stunde darauf, dass irgendetwas passiert – und dann kommt sie: die Vorband oder anders genannt, der ‚Supportact‘.

Bisher rief das bei mir noch nie große Begeisterung hervor. Abgesehen davon, dass sich durch diese Vorband die Wartezeit auf den eigentlichen Act verlängert, schafften es die meisten meiner bisher gesehenen Vorbands absolut nicht, das Publikum in Stimmung zu bringen. Bei dem zweiten Lied ist man noch motiviert und hält daran fest, dass so eine sie nicht ewig spielt. Nach dem dritten Lied entwickelt sich etwas Mitleid mit der Vorband, weil die Stimmung im Keller ist und das deutlich zu spüren ist. Bei Lied Nummer fünf sehnt man sich aber selber nur noch das Ende herbei und fragt sich, was sich das Management bei der Auswahl wohl gedacht haben mag. Nicht unbedingt nur weil der oder die Künstler/-in schlecht ist/sind, sondern weil es nicht zum Hauptact passt. Buhen ist in dem Zusammenhang außerdem trotzdem äußerst respektlos und unpassend. Leider gibt es immer Personen, die das anders sehen.

Auch wenn das obige Beispiel in der etwas überzogenen Form vielleicht nicht so häufig vorkommt, wisst ihr bestimmt was ich meine. Mir ist das schon ein paar Mal passiert, Namen möchte ich jetzt nicht nennen :D, aber selbst wenn der Supportact okay ist – hätte man den „Nach 4 Sekunden vorspulen“-Button von Youtube, würde man den wohl meistens betätigen und dafür lieber drei bis vier Lieder mehr von dem Hauptact hören wollen.

Aber! Dann kam das folgende Konzert..

Mein letztes Konzerterlebnis

Am 16.10.2015 war ich auf einem David Pfeffer Konzert in Duisburg im Steinbruch. Eine sehr kleine Location, aber perfekt für ein Akustikkonzert. Dass es da eine „Vorband“ gibt, hätte ich wirklich nicht gedacht. Obwohl ich David Pfeffer sehr gerne live höre, ist der Hauptgrund für den Konzertbesuch eher I. gewesen, die mich nun zum vierten Mal überzeugen konnte mit ihr den David live zu sehen. Ihn kennt man außerdem aus der Casting Show X Factor, mit Till Brönner und Sarah Connor in der Jury. In Großbritannien und einigen anderen Ländern ist die Show ein Hit, hierzulande gab es lediglich drei Staffeln.

Als David Pfeffer dann aber als erstes die Bühne betrat und ein paar Lieder zum besten gab, hatte ich das mit der Vorband schon abgehakt.

Oder auch nicht, denn kurz drauf kündigte er Chris Brenner an und machte sich selber damit zur Vor- und Nachband, Chris Brenner zum Mittendrin- und immer mal wieder Act, oder – wie ich die Kombination definieren würde – die perfekte Mischung, um das Publikum bei bester Laune zu halten.

Chris und David wechselten sich auf der Bühne ab, standen sogar ein paar Mal zusammen auf der Bühne um gemeinsam Songs zu covern und das Publikum hatte mindestens genauso viel Spaß an der Sache, wie die beiden. Das ist natürlich nur möglich, wenn die Künstler sich darauf einlassen und musikalisch zusammen passen. Das war hier definitiv der Fall, wie ihr in dem Video weiter unten sehen könnt. Ich war begeistert und wurde in Null Komma nichts Fan von Chris Brenner. Kennt ihr das Konzept und habt ihr schon Konzerte erlebt, auf denen das ähnlich gemacht wurde?

Man hat jedenfalls wieder gemerkt, wie besonders kleine Konzerte sind. Es ist so vertraut, man kann miteinander lachen. Hinterher haben die beiden sich viel Zeit genommen für Fotos, Autogramme und zum Quatschen. Auch wenn man das nicht mit einem Hallen- oder Stadionkonzert vergleichen kann, irgendwie ist es – zumindest für den Zuschauer – besonders.

Eine lustige Geschichte nebenbei: David Pfeffer, ein Künstler Anfang 30, der dementsprechend auch eher wenige Teenie Fans hat, öffnet sich nach ein paar Liedern den obersten Knopf seines Hemdes und kommentiert es im Sinne von: „Ganz schön warm hier drin.“ Da kommt von hinten doch gleich ein: „Und noch einer!“ Das brachte natürlich alle zum lachen und David schüttelte nur grinsend den Kopf und sinnierte, dass man denkt, das würde irgendwann aufhören, aber dass das wohl nicht der Fall sei. Schlimm fand er es natürlich nicht. Ist ja auch ein Kompliment. 😉

Im Umkreis von Chris standen nach dem Konzert Mädels, die im Schnitt wahrscheinlich fünf bis acht Jahre jünger waren als ich. Da fühlte ich mich, trotz meines eigentlich jungen Alters, fast fehl am Platz. Oops. 🙂

Chris Brenner

Der junge Künstler ist auf Youtube bekannt geworden, mit seinen über 70 Coversongs, die er selber oder in Kollaboration mit anderen Künstlern produziert und aufgenommen hat. Die Videos sind sehr professionell und können sehr gut mit denen internationaler Youtube-Stars mithalten. Unter uns: Ganz live höre ich ihn trotzdem fast noch ein bisschen lieber.

Auf dem Konzert hat er seine eignen Songs vorgestellt und zuerst hat seine Stimme mich sehr an Ed Sheeran erinnert und vom Musikstil würde ich ihn auch ungefähr der selben Kategorie zuordnen. Er selber bezeichnet es als New Folk Hop. Wer bietet mehr? 😉 Jedenfalls wirkt er sehr sympathisch auf der Bühne und hat eine tolle Stimme. Gesanglich und an der Gitarre war er, wahrscheinlich trotz großer Aufregung, sehr sicher. Wiederhole ich mich, wenn ich sage, dass er wirklich talentiert ist? Und zudem stecken da bestimmt Jahre an Übung hinter.

Andere Menschen sehen das ebenfalls so. Auf Spotify hat er 22.590 monatliche Hörer, auf Youtube über 124.900 Abonnenten und auf Facebook sind über 17.200 Personen, denen er gefällt. (Stand 02.11.2015) Solltet ihr so begeistert sein von seinem Talent wie ich, dann habt ihr hier die Möglichkeit ihm zu folgen:

Seine EP ‚Limitless‘ und seine aktuelle Single ‚One Shot‘ könnt ihr auch ganz einfach über Spotify hören.

Wie versprochen gibt es hier das Video vom Konzert. David und Chris zusammen mit einem Cover von Sia’s ‚Elastic Heart‘.

Und mein liebstes Cover von ihm ist ‚I’m A Mess‘ von Ed Sheeran, welches ich euch gestern schon auf Facebook gezeigt habe. Hier sieht man super, dass er nicht zu den tausenden, covernden Sängern auf Youtube gehört, die zwar die Töne ganz gut treffen, aber dafür absolut keine Emotion rüberbringen können.

Klickt euch mal durch seinen Kanal. Musikalisch dürfte für fast jeden etwas dabei sein. In jedem Video steckt mit Sicherheit ein hoher Aufwand, der sich aber definitiv gelohnt hat. Außer dem obigen Cover kann ich euch aber keine Favoriten nennen, da sich auf meinem zweiten Platz circa zehn Videos befinden. Wenn ihr Chris auch live erleben wollt, er ist die nächsten zwei Monate als Support Act von Benne und Max Giesinger in Deutschland unterwegs.


Welche Band oder welcher Künstler war bis jetzt eurer liebster Support Act? Und kanntet ihr Chris Brenner vielleicht schon? Ist es nicht großartig, welche Möglichkeiten eine Plattform wie Youtube Talenten bietet? Persönlich finde ich es viel authentischer über so eine Plattform – mehr aus eigener Kraft – bekannt zu werden, als durch eine Castingshow. Natürlich kann ich die Teilnahme an einer solchen nachvollziehen, aber den Nachgeschmack wird man nur schwer los. David hat es aber geschafft. 😉 Aber das ist ja auch wieder ein ganz anderes Thema.

Frohes Musik hören und bis die Tage!

Related:

No Comments

Leave a Reply