Anonymität als Blogger

Anonymität als Blogger
Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, einen anonymen Blog zu schreiben? Einfach mal ein paar Gedanken in die Welt heraus zu lassen, ohne dass die Bekannten, der Arbeitgeber oder Freunde davon erfahren könnten? Menschen Dinge wissen zu lassen, vielleicht sogar einigen mit der eigenen Geschichte helfen zu können, ohne dass sie ein Gesicht und Namen zu dieser zuordnen können?

Hab ich. Und heute habe ich mich sogar in soweit damit beschäftigt, dass ich recherchiert habe, inwieweit dies heutzutage überhaupt noch möglich ist.

Die Ernüchterung: Rechtlich korrekt und streng genommen, ist es im Regelfall nicht möglich.

Wie ihr hier bei e-recht24.de lesen könnt, ist das möglicherweise bei privaten Blogs eine Sache der Auslegung, aber man schreibt schließlich in den meisten Fällen – abgesehen davon, ob über Privates oder nicht – für die Allgemeinheit. Ich spreche euch mit meinem Text gerade schließlich auch direkt an.

Einen Artikel von Blogkiste.com möchte ich gerne noch einbeziehen, denn er listet ein paar grundlegende Vor- und Nachteile des anonymen Bloggens auf. Sein Beispiel der anonym bloggenden Lehrerin finde ich außerdem ein sehr gutes dafür, warum dies eigentlich möglich sein sollte.

Warum anonym bloggen?


Es gibt so viele Themen, die mir auf Anhieb einfallen, über die jemand höchstwahrscheinlich nicht frei zugänglich für jedermann schreiben möchte, wenn man sich selbst dabei zu erkennen geben muss mit Namen und Adresse.

Manch einer mag sagen, dass diese Sachen dann auch nicht öffentlich ins Internet gehören, aber kann man das heutzutage wirklich sagen? Stimmt das noch? Gibt es nicht sowieso alles im Internet? Und ist das nicht auch gut so? Wie oft habe ich schon nach einem Problem gegooglet, bevor ich eine Person im realen Leben gefragt habe. Das Internet weiß viel. Genauso viel, wie die Masse an Personen, die Informationen und Gedanken ins Internet stellen.

Sollte eine depressive Person, die über ihre Probleme, Therapie, Lösungsvorschläge, Ideen und über ihren eigenen schweren Weg schreibt – um sich selber und mit ihrer Geschichte wahrscheinlich auch vielen anderen hilft – ihren vollen Namen preisgeben müssen? Ich finde nicht. Sollte diese Person weiterhin anonym öffentlich bloggen dürfen? Wenn sie es möchte, natürlich.

Sollte die oben erwähnte Lehrerin nicht über ihre lustigen alltäglichen Geschichten rund um ihr Lehrerdasein schreiben dürfen, und uns so herrlich unterhalten, so lange Identitäten geschützt werden?

Sollte ein homosexueller Teenager, der zum Beispiel über seine Erfahrungen und Probleme zum Thema Outing bloggt, dies nicht anonym tun dürfen, um sich selber zu schützen aber trotzdem anderen mit seiner Geschichte weiterhelfen zu können?

Das sind alles sehr spezifische Beispiele und es gibt wahrscheinlich viele Personen wie mich, die aus viel lapidareren Gründen gerne einfach mal einen Post verfassen möchten, der nicht den eigenen Namen trägt und der von jedem einem selbst zuzuordnen ist. Gerade Hobby-Blogger können  oder wollen es sich nicht leisten über manch ein ernstes Thema offen zu reden, mit dem wissen, dass die verhasste Kollegin mit ihrer eingeschränkten Blickweise einem am Tag darauf blöd anmacht.

Warum zum Teufel sollte man also ohne böse Absicht und ohne falsche Hintergedanken nicht anonym über private Themen bloggen dürfen, die die Öffentlichkeit ansprechen? Sollte man wirklich Gefahr laufen, dass mit wachsender Popularität so eines Blogs auf einmal doch ein Brief von einem Anwalt einflattert, der die Identität trotz fehlendem Impressums nachvollzogen hat und eine Mahngebühr auferlegt?

Warum ich manchmal gerne anonym bloggen würde.


Manchmal gibt es Gedanken und Probleme über die ich schreiben möchte, bei denen es einfach niemanden angeht, dass sie mit mir in Verbindung stehen. Dass nur zählt, dass diese überhaupt da sind. Gerade zu Zeiten des Internets sucht man sich erst einmal Menschen mit ähnlichen Gedanken oder Problemen (die einem möglicherweise aufgrund ihrer Erfahrungen besser weiterhelfen können) und setzt sich mit diesen in Kontakt. Aber dafür muss jemand den Anfang machen und diese ins Internet stellen. Ich muss als Isabella auf diesem Blog, auf dem ich ebenso meine Fotografie teile, nun einmal nicht über die Probleme als Scheidungskind schreiben, wenn jeder Furz aus meiner Facebook-Freundesliste meinen Blog kennt.

Es ist Fakt, dass viele Blogger in gewisser Weise ihr Leben teilen. Das macht diese Blogger aber zumindest zum Teil auch aus. Aber es gibt immer eine Grenze. Irgendwo fängt es an zu privat zu werden. Aber auch das sollte meiner Meinung nach, anonym, bei Verlangen geteilt werden dürfen, für die die es lesen möchten.

So viel zu meiner Kritik an der Impressumspflicht. Was habt ihr zu dem Thema zu sagen?


Da das mit dem anonymen Bloggen nun nicht klappt, werde ich euch in meinem Namen erzählen, dass mir momentan jegliche Motivation für die wichtigen Dinge im Leben fehlt. Prokrastination schreibe ich gerade in bunten Großbuchstaben. Meinen Abgabetermin für die Arbeit werde ich nur schlecht einhalten können und für meine Hausarbeit, die in acht Tagen fällig ist, habe ich noch nicht eine nützliche Quelle gefunden. Das mag auch an der recht wenig investierten Zeit liegen. Stattdessen verkrieche ich mich weiterhin in Romanen und habe glaube ich noch nie so viel gelesen wie in den letzten 2 Monaten. Mal sehen, wie lange ich mich der Realität noch entziehen kann.

An meine/n zukünftige/n Arbeitgeber/in: Wenn Sie das lesen, habe ich mich natürlich schon längst geändert und bin einer der motiviertesten, engagiertesten und fleißigsten Mitarbeiter, die Sie je einstellen könnten!

So wurde das ganze doch noch ein ziemlich privater Post und ich hoffe, dass endet nicht böse. 😉 In diesem Sinne  wünsche ich euch nun aber ein angenehmes Wochenende.

P.S.: Aufgrund der mangelnden Zeit, Motivation und Instagram-Material wird es einen Monatsrückblick wahrscheinlich erst wieder in zusammengefasster Form im nächsten Monat geben. Sorry!

Related:

No Comments

  • Reply Annie N.

    Hallo Isabella
    ich habe erst ganz neu mit dem bloggen angefangen und tu dies in meinen Augen halb anonym, da ich über mein Leben mit Depressionen schreiben mag. Menschen, die mich natürlich im realen Leben etwas besser kennen, würden den Blog ohne Probleme mir zuordnen können glaube ich. Ansonsten nutze ich nicht meinen vollständigen realen Namen und halte auch Ortsangaben relativ vage. Für mich ist es vollkommen ok, wenn eine Person anonym bloggt solange er/sie sich treu bleibt und nicht irgendwelche Dinge für mehr Reichweite erfindet. Im Endeffekt muss das jeder für sich selbst entscheiden.

    Gruß
    Annie

    14. Mai 2015 at 16:33
  • Reply Isabella

    Hallo Annie,
    vielen Dank für deinen Kommentar!
    Genau so wie du es machst, sollte es auch rechtlich einwandfrei möglich sein. Dein Blog ist das perfekte Beispiel dafür, warum ich eine gewisse Anonymität beim Bloggen unterstützte. Ich kann das vollkommen verstehen. Ich kann zwar auch nachvollziehen woher die Regelung kommt, schließlich kann man auch viel illegales mit so einem anonymen Blog machen, aber dass darunter die "anständigen" anonymen Blogger "leiden" sollen, ist nicht ok.
    Viele Grüße und mach weiter so! 🙂

    16. Mai 2015 at 13:04
  • Leave a Reply